Nachwuchstraining im Taekwondo
Standpunkte zur Gestaltung eines vielseitigen Nachwuchstrainings in Taekwondo
Das Nachwuchstraining mit den beiden Trainingsetappen Grundlagen – und Aufbautraining ist der Bereich der sportlichen Leistungsentwicklung in Taekwondo, in dem die Kinder und Jugendlichen langfristig auf ihr individuelles Leistungsmaximum im Hochleistungstraining vorbereitet werden.
Zum Hochleistungstraining hin erfährt der Trainingsprozeß eine immer mehr zunehmende Spezialisierung aller eingesetzten Mittel und Maßnahmen, die aber eine vielseitige Trainingsgestaltung zur Voraussetzung haben.
Jede beschleunigte Herausbildung hoher und vordergründig auf die Wettkampfanforderungen der Sportart Taekwondo gerichteter Leistungen im Nachwuchstraining geht mit einer einseitigen Ausbildung einher und setzt der optimalen Ausprägung des individuellen Leistungsmaximums vorzeitig Grenzen.
Daraus ergibt sich, daß ein erfolgreiches Nachwuchstraining in der Sportart Taekwondo vielseitig zu gestalten ist.
Ein vielseitiges Nachwuchstraining in Taekwondo umfaßt:
• die Ausbildung allgemeiner motorischer Leistungsvoraussetzungen,
• die Ausbildung der technischen Grundlagen
• der Einheit von Training und Wettkampf,
• eine systematische Steigerung der Trainingsbelastung und
• ein auf die Hauptbestandteile des Trainings gerichtetes System von Kontrollen.
1. Ausbildung allgemeiner motorischer Leistungsvoraussetzungen:
Die Ausbildung allgemeiner motorischen Leistungsvoraussetzungen umfaßt Trainingsmittel und Belastungsformen aus anderen Sportarten.
Sie hat die Aufgabe,
• den Lerncharakter des nachwuchstrainings zu unterstützen
( Ausbildung koordinativer Fähigkeiten),
• ein schnelligkeitsorientiertes Nachwuchstraining durchzusetzen
( Schnelligkeitsentwicklung),
• Belastbarkeit ( Belastungsverträglichkeit) zu entwickeln
( aerobe Ausdauer, vielseitige Kraftfähigkeiten, arthromuskuläres Gleichgewicht, Beweglichkeit, Dehnfähigkeit).
Ein wesentlicher Faktor für die weitere Steigerung sportlicher Höchstleistungen ist die sportliche Technik, die immer wieder Ausgangspunkt zur Entwicklung neuer, wirkungsvoller motorischer Lösungsverfahren ist. Der erfolgreiche Wettkämpfer muß sich der Weiterentwicklung der Techniken des Taekwondo anpassen, indem er diese den jeweils neuen Anforderungen entsprechend variiert oder zum Teil auch neue Bewegungsabläufe lernt.
Die Voraussetzung dazu erwirbt er im Nachwuchstraining über die Entwicklung koordinativer Fähigkeiten, durch die Bewegungserfahrungen und analysatorische Fähigkeiten erworben werden, das Zusammenspiel Nerv – Muskel verfeinert und so auf die Verbesserung der motorischen Lernfähigkeit Einfluß genommen wird.
Taekwondo-Techniken müssen im Wettkampf in kürzester zeit ausgeführt werden. Zur Entwicklung der Fähigkeit, zyklische und azyklische Bewegungen maximal schnell ausführen zu können, ist vor allem der Altersbereich zwischen dem 7. und 15. Lebensjahr zu nutzen. Schnelligkeitstraining im Kindes- und Jugendalter sollte vor allem auf die Entwicklung und Verbesserung der Prozesse der neuromuskulären Steuerung und Regelung gerichtet sein.
• Entwicklung von Zeitprogrammen, die den perspektivischen Ansteuerungsqualitäten entsprechen ( Sicherung einer ausreichenden Anzahl von Wiederholungen; mindestens 60% richtiger Wiederholungen, um Anpassung in einer neuen Qualität zu erreichen)
• Entwicklung der azyklischen Schnelligkeit als Basisfähigkeit gegenüber der zyklischen Schnelligkeit ( Ziel ist vor allem, die Stützzeit zu verbessern).
Sportliche Höchstleistungen verlangen eine hohe Belastungsverträglichkeit des Organismus, mir deren Herausbildung systematisch im Nachwuchstraining begonnen werden muß. Durch aerobe Ausdauerbelastungen und vielseitig kräftigende Übungen ist die Funktionfähigkeit insbesondere des Herz – Kreislaifsystems und des Stütz- und Bewegungsapparates zu verbessern.
Zu beachten ist, daß sich die Organsysteme zeitlich unterschiedlich entwickeln und damit nicht zu jedem Zeitpunkt in gleicher Höhe belastbar sind.
Bei der Entwicklung allgemeiner motorischer Leistungsvoraussetzungen sollten die trainingsgünstigen Entwicklungsphasen berücksichtigt werden.
2. Sporttechnische Grundausbildung in Taekwondo:
Bei der Kennzeichnung der die Leistung in den einzelnen Sportarten maßgeblich bestimmenden Faktoren wird dem Ausbildungsstand der sportlichen Technik große Bedeutung beigemessen.
Im allgemeinen wird dem Erlernen, Vervollkommnen und Stabilisieren technischer Fertigkeiten viel Zeit eingeräumt. Die immer effektivere Gestaltung dieses lern- und Vervollkommnungsprozesses ist ein wichtiges Anliegen des Nachwuchstrainings. Folgende Aufgaben sollten dabei besonders beachtet werden:
Die sporttechnische Ausbildung Muß eine Grundausbildung sein. Es sollte ein begrenztes Repertoire von Grundtechniken ausgebildet werden. Die Qualitätsanforderungen an diese Grundtechniken sollten insbesondere genau, schnell und variabel sein.
Erst auf dieser sporttechnischen Grundausbildung baut die sporttechnische Spezialisierung auf:
• Techniken, die das Grundrepertoire erweitern, auch in Form von Varianten und situationsspezifischen Lösungen,
• die Bewegungsausführung wird individuellen Voraussetzungen angepaßt (Konstitution, koordinative oder konditionelle Stärken).
Eine vorzeitige Teilnahme an Wettkämpfen stört die Entwicklung noch nicht gefestigter Bewegungsabläufe und verhindert, ein hohes technisches Niveau zu erreichen. Es muß erst der charakteristische Rhythmus erkennbar sein.
Die Wirksamkeit von Techniken wird unter anderem sehr stark durch die konditionellen Voraussetzungen bestimmt. Über speziell vorbereitende Übungen z.b. sollte bei Berücksichtigung der Zieltechnik die notwendige Einheit von Technik und Kondition entwickelt werden.
Die Ausbildung sollte zunächst in allen Anforderungsbereichen vorgenommen werden, erst daran anschließend erfolgt eine positionsspezifische Ausbildung.
Die Techniken müssen im Wettkampf in unterschiedlichen Situationen angewandt werden können. Diese Tatsache erfordert im nachwuchstraining
• die Anwendung von Techniken in bestimmten Standardsituationen zu lehren,
• grundlegende Verhaltensweisen in Übereinstimmung mit den Wettkampfregeln zu entwickeln und
• Grundregeln des fairen Verhaltens zu vermitteln.
3. Einheit von Training und Wettkampf:
Ein für Nachwuchssportler relativ vordergründig auf Wettkämpfe oder gar Wettkampfhöhepunkte orientiertes Training vernachlässigt die vielseitige Ausbildung von Leistungsvoraussetzungen und führt unweigerlich zu einer Frühspezialisierung. Um aber den Wettkampf für die Durchsetzung einer vielseitigen Trainingsgestaltung zu nutzen, ist es erforderlich, in die Bewertung der Wettkampfleistung nicht nur das in Form einer einzigen Zahl ausgedrücktes Ergebnis, sondern auch die diesem Ergebnis zugrunde liegenden Leistungsvoraussetzungen einzubeziehen.
Wettkämpfe sollten deshalb in Ihrer Anforderungen auf die Verwirklichung einer vielseitigen Trainingsgestaltung Einfluß nehmen, indem neben der eigentlichen Wettkampfdisziplin auch allgemeine und sportartspezifische Leistungsvoraussetzungen im Wettkampf überprüft werden.
Je nach Alter erweist sich auch zur Vereinfachung des Wettkampfes eine Modifizierung der Wettkampfregeln als zweckmäßig.
Wettkämpfe sollten für alle Nachwuchssportler anspornend sein. Häufig ist aber durch das Wettkampfsystem vorrangig eine Orientierung auf die besten Sportler gegeben. Infolgedessen werden viele bereits in den Anfangsjahren demotiviert. Sinnvoll erscheint deshalb, in den ersten Ausbildungsjahren verstärkt Vereinswettkämpfe durchzuführen.
4. Systematische Belastungsgestaltung:
Folgende Faktoren sollten bei der systematischen Steigerung der Trainingsbelastung vor allem berücksichtigt werden:
Anteiligkeit der Trainingsinhalte
Die Veränderung des Anteils von allgemeinem und speziellem Training spielt für die Belastungsteigerung im Nachwuchstraining eine wesentliche Rolle.
In den ersten Trainingsjahren sollten ca. 40% bis 60% der Gesamtstunden für das allgemeine Training verwendet werden. In den folgenden Jahren sollte dieser Anteil noch wenigstens 30% betragen.
Außerdem sollten in den ersten Trainingsjahren im allgemeinen Training vor allem Schnelligkeits-, Schnellkraft- und koordinative Fähigkeiten entwickelt werden, darauf folgend stärker konditionelle Fähigkeiten.
Steigerung des Umfangs vor der Intensität
• möglichst schnell ein 2- bis 3 maliges Training pro Woche erreichen, Umfang auf 3- bis 4 mal erhöhen,
• ganzjährig trainieren,
• nach den Ferien schnell das Belastungsniveau von vor den Ferien wieder erreichen.
Einheit von Belastung und Wiederherstellung
• jeder neuen Belastung muß die Wiederherstellung vorausgehen,
• bei Schulung der aeroben Ausdauer kann die neue Belastung bereites nach unvollständiger Wiederherstellung einsetzen,
• Ausbildung von Schnelligkeits-, Schnellkraft und technisch-koordinativen Fähigkeiten und technischen Fertigkeiten erst nach vollständiger Wiederherstellung,
• aktive Wiederherstellungsmaßnahmen sind zu bevorzugen.
Dynamische Belastungsgestaltung
• keine Periodisierung des Trainings, um zu einem sogenannten Wettkampfhöhepunkt die höchste Leistung zu erreichen,
• Wettkämpfe haben die Funktion von Aufbaukämpfen, um künftig Spitzenleistungen zu erreichen,
• Dynamische Belastungsgestaltung durch Veränderung der Tariningsinhalte
Kontrolle der vielseitigen sportlichen Leistungsentwicklung
Leistungskontrollen nehmen in gleicher weise wie Wettkämpfe Einfluß, ob das Training vielseitig oder spezialisiert gestaltet wird.
Durch regelmäßige Kontrollen bzw. Tests (2- bis 3 mal pro Jahr) sollten analysiert werden der Entwicklungstand
• von allgemeinen Schnelligkeits-, Schnellkraft- und koordinativen Fähigkeiten,
• von allgemeinen konditionellen Fähigkeiten (aerobe Ausdauer, Kraftausdauer), der Beweglichkeit und der Dehnfähigkeit der Hauptmuskelgruppen sowie
• der Grundtechniken
Analyse des Wettkampfs
Eine Grundforderung der Trainingsgestaltung ist die Orientierung an den Weltbesten. Die Analyse ihrer Kampfesführung ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für Ergebnisinterpretation und abzuleitende trainingsmethodische Empfehlungen. Nach Videoanalysen können folgende Hauptmerkmale in der Kampfesführung charakterisiert werden:
• dynamische Kampferöffnung, offensives Kampfverhalten,
• Bedrängen des Gegners, Zwischen- und Endspurts, ständige Übersicht über den Kampfverlauf,
• Hohe Wirksamkeit situationsbezogener technisch-taktischer Kampfhandlungen, Beherrschen aller Distanzen,
• Ausgeprägte Körperbeherrschung,
• Gute psycho-physische Erholungsfähigkeit.
Anhand der Auswertung von Literatur und berichteter Erfahrung werden die energetischen Belastungsanforderungen wie folgt beurteilt:
• unregelmäßiger Wechsel in der Belastungsintensität,
• längerer Phasen mittlerer bis submaximaler Belastung, kurze Phasen maximaler Belastung mit relativer Erholung,
• ständiger Wechsel von aerober, anaerob-laktazider Stoffwechsellage,
• hohe anaerob-alaktazide Kapazität und ihre schnelle Wiederherstellung,
• Glykogenreserven für die Mobilisierung der Laktatbildung und die Laktatverträglichkeit.
Diese kurzgefasste Analyse des Kampfes verdeutlicht, dass der Sportler über eine komplexe Leistungsfähigkeit verfügen muss, um diesen Anforderungen zu entsprechen. Sie verweist aber auch auf relativ enge Grenzen, innerhalb derer diese komplexe Leistungsfähigkeit mittels Tests überhaupt zu erfassen ist.
Da die Wettkampfleistung im Taekwondo sowohl von allgemeinen als auch sportartspezifischen Leistungsvoraussetzungen beeinflusst wird, wird die Erarbeitung und Überprüfung von Tests für beide Bereiche erforderlich.
Bei ursprünglichen Testbatterien bestanden die Tests vorwiegend zur Erfassung allgemeiner motorischer Leistungsvoraussetzungen. Die stärkere Einbeziehung von Tests zur Analyse sportartspezifischer Leistungsvoraussetzungen sowie die Tatsache, dass in den ursprünglichen
Batterien viele Tests enthalten waren, die gleiche bzw. ähnliche Voraussetzungen analysierten, machen eine Begrenzung der Testbatterien erforderlich.
Bestandteil der sportartspezifischen Testbatterien sind drei Tests. Bei den Tests werden für den Taekwondokämpfer wichtige Techniken als Indikatoren für zu überprüfende sportartspezifische Leistungsvoraussetzungen, wie Schnelligkeit, Genauigkeit, Gleichgewichts-, Reaktionsfähigkeit, dynamische Beweglichkeit im Hüftgelenk, energetische-konditionelle Leistungsfähigkeit, verwendet.
Zur zielgerichteten Ausbildung von Nachwuchssportlern gehört auch eine regelmäßige Überprüfung des Leistungsstandes.
Dies ist insofern von größter Bedeutung, weil nicht nur das Training, sondern auch das Wachstum wesentlich auf die Entwicklung bestimmter Eigenschaften und Fähigkeiten einwirken.
Mit dem vorliegenden Skriptum soll den bei Nachwuchssportlern tätigen Trainern, ein Mittel in die Hand gegeben werden, durch das allgemeine motorische Leistungsvoraussetzungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Trainings überprüft werden können. Die Testergebnisse sollen Grundlage zur weiteren Verbesserung der für sportartspezifische Leistungen wesentlichen allgemeinen motorischen Leistungsvoraussetzungen sein.
Bedeutung allgemeiner Leistungsvoraussetzungen für das Training von Nachwuchssportlern
Im Training mit Nachwuchssportlern sollen insbesondere
• Freude an einer regelmäßigen sportlichen Betätigung,
• möglichst in einer konkreten Sportart, und
• eine breite Leistungsgrundlage für eine folgende sportliche Leistungsentwicklung ausgebildet werden.
Allgemeine motorische Leistungsvoraussetzungen sind unmittelbarer Bestandteil sportlicher Leistungsgrundlagen.
Sie haben vor allem die Funktion,
• eine harmonische körperliche und gesundheitliche Entwicklung zu unterstützen,
• die jungen Sportler im Prozess der fortschreitenden Leistungsentwicklung auf eine zunehmende Belastbarkeit vorzubereiten,
• auf ein abwechslungsreiches Training Einfluss zu nehmen,
• die Ausbildung sportartspezifisches konditioneller und koordinativer Fähigkeiten sowie sporttechnischer Fertigkeiten zu beeinflussen.
Zahlreiche Beispiele haben immer wieder gezeigt, dass eine breite allgemeine konditionelle und koordinative Basis Voraussetzung für das spätere Erreichen von Höchstleistungen ist. Die um 1980 weit verbreitete Frühspezialisierung von Kindern und Jugendlichen hat sich eindeutig als „Sackgassenentwicklung“ erwiesen.
Es wurden zwar damals zahlreiche Kinder-Weltmeister geschaffen, die Spitze in der allgemeinen Klasse haben allerdings nur ganz wenige erreicht. Die meisten blieben als Frühstarter oder ewige Talente auf der Strecke.
Auch die Dropout-Quote unter jugendlichen Sportlern war unverhältnismäßig hoch. Zurückzuführen war sie – wie Soziologen und Psychologen meinten – vor allem auf den, nach großen Anfangserfolgen und späterem sportlichen Absturz folgenden Frust.
Die Forderungen zurück zur Basisarbeit bzw. Weg von der Frühspezialisierung sind daher mit allem Nachdruck zu unterstreichen.
Zu überprüfende motorische Fähigkeiten
Überprüft werden sollen allgemeine motorische Fähigkeiten, die für das Nachwuchstraining in allen Sportarten wichtige Leistungsvoraussetzungen darstellen und für deren Entwicklung besonders im Kindes- und Jugendalter gute biologische Möglichkeiten gegeben sind.
Schnelligkeit
Die Schnelligkeit ist eine konditionell aber auch koordinativ determinierte Fähigkeit, durch die Bewegungsaufgaben in schnellstmöglicher Zeit gelöst werden.
Sie sind als zyklische oder in unserem Fall als Laufschnelligkeit untersucht und als Zeit für einen bestimmten Weg gemessen.
Schnelligkeitsausdauer
Die Schnelligkeitsausdauer ist eine konditionelle Fähigkeit, durch die einem ermüdungsbedingtem Leistungs – bzw Geschwindigkeitsabfall widerstanden wird.
Typisch ist die nach Erreichen der Maximalgeschwindigkeit eintretende Reduktion der Bewegungsfrequenz und der daraus resultierende Geschwindigkeitsabfall.
Die Schnelligkeitsausdauer beansprucht den anaerob-laktaziden Stoffwechsel, dessen Endprodukt die Milchsäure ist.
Koordinative Fähigkeiten, Gewandtheit
Koordinative Fähigkeiten sind Leistungsvoraussetzungen zur Koordinierung von Bewegungen unter unterschiedlichen Bedingungen. Sie stehen in enger Beziehung zum Leistungsfaktor Technik.
Die komplexeste koordinative Fähigkeit ist die Gewandtheit.
Je nach Bewegungsanforderung werden Reaktions- und Gleichgewichtsfähigkeit ( sowie Differenzierungs-, Orentierungs-, Kopplungs-, Rhythmisierungs- und Umstellungsfähigkeit) unterschieden.
Die Reaktionsfähigkeit ist eine koordinative Fähigkeit zum schnellen und aufgabengemäßen Antwortverhalten auf Signale.
Die Gleichgewichtsfähigkeit ist eine koordinative Fähigkeit für das Halten und Wiederherstellen des Gleichgewichts des Sportlers bei wechselnden Bedingungen.
Kraft
Kraft ist eine konditionelle Eigenschaft. Sie ermöglicht uns, durch Muskeltätigkeit äußere Widerstände zu überwinden. Über die Ausbildung dieser Fähigkeit wird auf die Kräftigung des Bewegungs- und Stützapparates, die Ökonomisierung des Herz-/Kreislaufsystems und eine verbesserte Bewegungssteuerung Einfluss genommen.
In Abhängigkeit von der Größe des Widerstandes und der Bewegungsgeschwindigkeit äußert sich die Kraft als Schnellkraft, Kraftausdauer und Maximalkraft, wobei im Nachwuchstraining vorrangig Schnellkraft und Kraftausdauer ausgebildet werden.
Die Schnellkraft ist eine Fähigkeit, um Widerstände mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit zu überwinden.
Die Kraftausdauer ist eine Fähigkeit, um der Ermüdung bei Kraftanforderungen über einen längeren Zeitraum zu widerstehen.
Ausdauer
Die Ausdauer ist eine konditionelle Fähigkeit, um Ermüdung bei sportlicher Belastung zu widerstehen. Sie sichert die Erhaltung des technischen Niveaus über die Belastungszeit.
Die Ausbildung aerober Leistungsvoraussetzungen (Grundlagenausdauer) hat darüber hinaus auch große Bedeutung für die gesundheitliche Entwicklung der jungen Sportler.
Beweglichkeit, Dehnfähigkeit
Die Beweglichkeit ist eine motorische Fähigkeit zur Ausführung von Bewegungen mit großer Amplitude in den Gelenken und im Bereich der Wirbelsäule.
Voraussetzungen für Beweglichkeit sind die anatomische Konstruktion der Gelenke sowie die Dehnfähigkeit der Bänder, Sehnen und Muskeln.
Auf die aktive Beweglichkeit nehmen außerdem Kraftfähigkeiten und koordinative Fähigkeiten Einfluss.
Insbesondere das Kindesalter bietet gute Voraussetzungen zur Entwicklung der Beweglichkeit.
Testmöglichkeiten:
Test: – 10m Sprint ( 20m Sprint)
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Zyklische Schnelligkeit, Laufschnelligkeit, Antrittsschnelligkeit, Reaktionsschnelligkeit
Test: – Kasten-Bumerang-Lauf
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Anpassung-, Orientierungsfähigkeit, Koordination unter Zeitdruck
Test: – Fallstabtest
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Reaktionsfähigkeit
Test: – Einbeiniger Schwebestand
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Gleichgewichtsfähigkeit, isometrische Kraft des Standbeines
Test: – Standweitsprung
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Explosivkraft, Schnellkraft der Beinmuskulatur, Koordinationsfähigkeit
Test: – Dreierhop
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Schnellkraft, Reaktivkraft, Sprunggewandtheit, Koordinationsfähigkeit
Test: – Rumpfvorbeuge
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Beweglichkeit in der Wirbelsäule, Dehnfähigkeit der Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur
Test: – Tiefer Hockstand
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Dehnfähigkeit der eingelenkigen Anteile der Wadenmuskulatur, Fußgelenkbeweglichkeit.
Test: – Klimmziehen: Männlich – Streckhang
Weiblich – Schrägliegehang
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Kraftausdauer der Armbeuger, Koordinationsfähigkeit
Test: – Liegestütz
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Kraftausdauer der Armstrecker, Kraft der Schulter/Rumpfmuskulatur
Test: – Sit up
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Kraft der Bauch- und Hüftbeugemuskel
Test: – 400m Lauf
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Schnelligkeitsausdauer, Schnellkraftausdauer der Beinmuskulatur, Anaerobe und Aerobe Ausdauer
Test: – 2000m Lauf
Vorrangig überprüfte
Fähigkeiten: – Allgemeine motorische Ausdauer, aerobe Ausdauer, Willenseigenschaften
Hinweise zur Planung, Durchführung und Auswertung der Tests
Die Anwendung der Tests ist nur dann sinnvoll, wenn sie regelmäßig erfolgt.: sinnvoll zu Beginn und am Ende, aber auch bei Bedarf während des Trainingsjahres zum Abschluss bestimmter Ausbildungsabschnitte:
Beginn des Trainingsjahres
Analyse des Ausgangsniveaus der Trainingsgruppe und des einzelnen Sportlers, Festlegen von Trainingsmaßnahmen für das weitere Training;
Während des Trainingsjahres
Kontrolle der erreichten Ergebnisse, Einflussnahme auf das weitere Training,
Abschluss des Trainingsjahres
Analyse des Verhältnisses von Ziel (Soll) und Ergebnis (Ist), Beurteilung des Niveaus der Umsetzung des Trainingsplanes.
Die Testdurchführung ist exakt zu planen. Der Testleiter ist dabei verantwortlich für
• Die Festlegung von Termin und Uhrzeit,
• die Absicherung des Umfeldes (Halle, Geräte, Testhelfer usw.),
• die namentliche Erfassung der Testpersonen, einschließlich notwendigen Personaltaten
Vor Testbeginn sollten durch den Testleiter
• Geräte bereitgestellt und Stationen markiert,
• Helfer eingewiesen und
• Testlisten vorbereitet sein.
Während der Testdurchführung ist durch den Testleiter für eine Atmosphäre höchster Leistungsbereitschaft zu sorgen, indem
• den Testpersonen Sinn und Zweck der einzelnen Test erläutert wird,
• die Durchführung der einzelnen Tests exakt erklärt und demonstriert wird,
• durch den einzelnen Sportler erreichte Werte bekanntgegeben werden und
• der Testablauf einwandfrei organisiert wird.
Bei Testbatterien ist auf die richtige Reihenfolge unbedingt zu achten:
• Schnelligkeit
• Koordinationsfähigkeit
• Schnellkraft
• Beweglichkeit
• Kraft
• Schnelligkeitsausdauer bzw. Kraftausdauer
• Allg. Ausdauer
Die Ergebnisse sollten unmittelbar nach Durchführung der Tests ausgewertet und mit der Trainingsgruppe sowie den einzelnen Sportlern besprochen und Schlussfolgerungen für das weitere Training abgeleitet werden.
Testergebnisse an die Landesreferenten der Sportvereine weiterleiten.
Wichtig ist dabei, weitere Informationen aus Training und Umfeld (Trainingsfleiß etc.) in die Auswertung mit einzubeziehen.
Untersuchungsergebnisse
Struktur allgemeiner motorischer Leistungsvoraussetzungen
Innerhalb der Leistungsstruktur einer Sportart besitzen allgemeine motorische Fähigkeiten Voraussetzungscharakter für die Entwicklung der sportartspezifischen Fähigkeiten und der Wettkampfleistung. Im Hochleistungstraining bereiten sie die zunehmende Spezialisierung des Trainings innerhalb des Jahres-und auch Mehrjahresaufbaus vor.
Das Ermitteln und Anwenden von für Taekwondo allgemeinen Trainingsmitteln unterstützt sehr wesentlich die sportartspezifische Leistungsentwicklung. Aus diesem Grund wird zu Beginn eines Trainingsjahres eine Faktoranalyse berechnet, nach der sich zwei Hauptkomponenten der allgemeinen motorischen Leistungsfähigkeit bestimmen lassen,
• Kraftausdauer in Einheit mit der aktiven Beweglichkeit im Hüftgelenk bei Sicherung des Gleichgewichts sowie
• Schnellkraftkoordinationsausdauer
Der Faktor „Kraftausdauer“ beinhaltet außerdem die Leistungsfähigkeit des Taekwondokämpfers im Bereich seiner aeroben und anaeroben Stoffwechselprozesse. Das Ergebnis verweist insbesondere af den Zusammenhang, anaerobe Leistungsfähigkeit über ein notwendig hohes Maß an aerober Leistung auszubilden.
Die Komponente „Schnellkraftausdauer“ wird hingegen von der Wirksamkeit anaerob-alaktazider und anaerob-laktazider Stoffwechselprozesse beeinflusst.
Entwicklung und Struktur sportartspezifischer Listungsvoraussetzungen
Ein entscheidendes leistungsbestimmendes Merkmal im Taekwondo ist die Fähigkeit des Sportlers, „erwartete oder unerwartete gegnerische Aktionen oder sich bietende Angriffsmöglichkeiten rechtzeitig wahrzunehmen und darauf mit größtmöglicher Schnelligkeit und effektiven technisch-taktischen Aktionen zu reagieren.
Dieser Prozess der Situationswahrnehmung, und -analyse und – entscheidjung (Reaktionsfähigkeit) sowie der sich anschließenden Bewegungsausführung (Bewegungs-/Aktionsschnelligkeit) wurde versucht mit Hilfe des Tests „Pandalchagi“ zu untersuchen. Die Zeit von Aufleuchten der Lampe bis zum Durchqueren der ersten Lichtschranke wurde als Reaktionszeit definiert, die Zeit vom Durchqueren der ersten bis zur zweiten Lichtschranke als Aktionszeit und die Summe aus Reaktions- und Aktionszeit als Zeit des Gesamtablaufs.
Die Erarbeitung von Tests zu ihrer Überprüfung sowie Interpretation der daraus gewonnenen Ergebnisse erfordern die Berücksichtigung der Anforderungen, die der Wettkampf stellt. Diese wurden vor allem über Merkmale der Kampfesführung der Weltbesten und der energetischen Belastung des Kampfes charakterisiert.
Die Testbatterie umfasst acht allgemein- motorische und vier sportartspezifische Tests, wobei der Test „Kraftausdauer“ sowohl als allgemeiner als auch sportartspezifischer Test Anwendung fand. Die Testbatterie ermöglicht die Untersuchung wesentlicher Leistungsvoraussetzungen für eine erfolgreiche Kampfgestaltung im Taekwondo.
Innerhalb der Struktur allgemeiner motorischer Leistungsvoraussetzungen konnten die beiden Faktoren
• Kraftausdauer (aerobe und anaerobe Listungsfähigkeit) und
• Schnellkraftkoordinationsausdauer (anaerob-alaktazide und anaerob-laktazide Leistungsfähigkeit)
Ermittelt werden. Ihre gezielte Entwicklung sollte über entsprechende Trainingsmittel in einer relativ hohen Anteiligkeit (50 bis 40 Prozent) vor allem bis zu Beginn der Wettkampfperiode vorgenommen werden.
Die Struktur sportartspezifischer Leistungsvoraussetzungen lässt sich nach unseren Untersuchungsergebnissen anhand der Faktoren
• Erkennen und Nutzen von Situationen,
• Stehvermögen und Technik (Laktatazidose) und
• Kraftausdauer und Technik (Laktatmobilisation) beschreiben.
Zu ihrer Entwicklung wird die Anwendung wettkampfanforderungsgerechter Trainingsmittel empfohlen. Die Belastungswirksamkeit der Trainingsmittel sollte im Verlaufe des Trainingsjahres allmählich gesteigert werden. Das Stehvermögen als Ausdruck eines guten glykolytischen Energiestoffwechsels und einer Laktatverträglichkeit sollte in Vorbereitung auf den Wettkampfhöhepunkt schrittweise aufgebaut werden.
Die Erholungsfähigkeit nach glykolytischer Belastung hängt sehr stark von der aeroben Leistungsfähigkeit und der Qualität der Nachbelastung ab. Extensiv belastende regenerative Trainingsmittel gewinnen deshalb besonders in Einheit mit zunehmender Belastungsintensität an Bedeutung.
Planungsziele
Grundlagentraining:
• vielseitige allgemeine und sportartspezifische Leistungsentwicklung
• Entwickeln sportartspezifischer Grundfertigkeiten
• Entwickeln von Belastungsverträglichkeit
• Entwickeln positiver Einstellungen zu Training und Wettkampf
• Kenntnis der Wettkampfregeln und –Bestimmungen
Aufbautraining:
• Festigen der vielseitigen allgemeinen und sportartspezifischen Leistungsvoraussetzungen
• Festigen sportartspezifischer Grundfertigkeiten
• Variable Verfügbarkeit der Grundfertigkeiten für unterschiedliche Wettkampfsituationen
• Beginnende sportartspezifische Spezialisierung
• Entwickeln, Festigen von Belastungsverträglichkeit
• Festigen der positiven Einstellung zu Training und Wettkampf
• Ausnutzen der Wettkampfregeln unter taktischem Aspekt
Hochleistungstraining:
• Herausbilden, Stabilisieren eines hohen allgemeinen und sportartspezifischen konditionellen und koordinativen Niveaus
• Sehr gute Regenerationsfähigkeit
• Optimale Ausprägung der koordinativen und taktischen Merkmale der Technik (Präzision, Schnelligkeit, Situationsangemessenheit)
• Hervorragende Einstellung zu Training und Wettkampf, auch nach Mißerfolgserlebnissen
• Schöpferische Mitarbeit zur optimalen Trainingsgestaltung